events

24. September: ID9606/2a-c [Welcome to the Biocentury]

Szenische Lesung aus dem neuen Buch von Jana Vanecek.

Mit:
Nora Schmidt
Bernadette Köbele
Johannes Hoffmann
—————————————-
In einer literarischen, wissenschaftlichen und theoretischen Auseinandersetzung geht Jana Vanecek der Frage nach, wie sich die Anwendungen der pharmazeutischen molekularen Biotechnologie, als neue Bereiche kapitalistischer Investitionen, auf gesundheitspolitische Entscheidungen auswirken können. Den Bezugspunkt dieser Untersuchung bildet die Medikamentenrationierung (Limitatio) in der Schweiz. Inhaltlich liegt der Fokus insbesondere auf dem «Entanglement» von Bio- und Gentechnologie, Patentrecht und internationalen Vereinbarungen auf dem Gebiet des Immaterialgüterrechts sowie der Einfluss dieser Faktoren auf die fortschreitende Ökonomisierung von öffentlichen Gesundheitsinfrastrukturen. Im Rahmen von Gesundheit und Citizenship werden auch die Felder der Biomedizin und staatliche Bürokratie, das Phänomen der Buyers Clubs und des Medizin-Tourismus sowie die legale Umgehung von Patenten durch staatlich ausgerufene Zwangslizenzen beleuchtet. Die Autorin geht dabei von einer persönlichen Erfahrung aus und theoretisiert diese im Diskursfeld Körper- beziehungsweise Biopolitik.
————————————–
«Diese 50nm grossen Hacker_innen in meinem Blut zeigten mir durch ihre Tätigkeit, dass mein Körper ein Text ist, der gelesen und umgeschrieben werden kann. Ein Text, der nicht einfach eine modulierbare Hardware ist, sondern vielmehr eine molekulare Software, deren Prozesse reprogrammierbar sind. Ein Text, der mit anderen molekularen Softwares immer in Verbindung steht. Selbst dann, wenn es sich nicht um menschliche Tiere handelt.
Doch es waren nicht die Viren allein, welche die epistemischen und normativen Grenzen zwischen Menschen und Nichtmenschen für mich auflösen sollten und in mir ein anderes Verständnis für das Verhältnis zwischen Leben und Tod etablierten. Es waren die modernen biotechnologischen Praktiken, die einige Zeit später meinen Alltag bestimmen sollten. Praktiken, die das in den Körper eingeschriebene Wissen von biopolitischen Interventionen erweiterten und kontinuierlich verschoben. In all den Jahren als viraler Symborg befand ich mich stets inmitten von Reprogrammierungen. Eine dieser Reprogrammierungen schien eine neue Form des Kapitalismus darzustellen.»


Black Cells Matter

!***!***! abgesagt – wir suchen neues Datum !***!***!


Hommage an Henrietta Lacks, einer übergangenen founding figure der modernen Biologie, geboren am 1. August 1920. Rund um die Welt werden ihre Zellen n der Grundlagenforschung verwendet, doch niemand denkt bei HeLa an die schwarze Frau, der sie vor gut 70 Jahren ohne Einwilligung entnommen wurden. Ironie der Geschichte: Der Übergriff machte sie tatsächlich unsterblich – so wird sie an der Hommage auch ein wenig persönlich anwesend sein. zudem zu Gast: Eva Seck, Autorin; Life-Science-Forschende, non-white.