(K)notweed Xenophobia!

currently! Diskussionsreihe (online wie auch live draussen): — Walkie Talkie — Let’s discuss our neophyte world — next up, Samstag: Quartierspaziergang mit Anwältin und Mediatorin Nora Refaeil über unseren Umgang mit dem Fremdem, über nach wie vor ganz alltägliche Xenophobien und Rassismen und über Migration als gesellschaftliche Normalität.

27. April, online: Gosie Vervloessem (Bruxelles). Plant horrors – horror plants (e)

Walkie: Neighborhood walks

30. März, 18 Uhr: Sandra Knecht, Künstlerin und Food-Artistin. Kochen mit invasiven Arten. (d)

abgesagt! ah, corona… [10. April: Dirk Hamburger, Biosicherheitsinspektor Stadt Basel. Wie (und warum) Basel invasive Arten bekämpft. (d)]

17. April, 15 Uhr: Nora Refaeil (Anwältin und Mediatorin) über unseren Umgang mit dem Fremdem, über nach wie vor ganz alltägliche Xenophobien und Rassismen und über Migration als gesellschaftliche Normalität. Refaeil arbeitet zu Themen der nachhaltigen, systemischen Transformation, Leadership, Diversität, Inklusion und Gerechtigkeit. Sie unterstützt Menschen, Institutionen und Gemeinschaften, die sich und ihr Umfeld positiv verändern möchten. Sie ist Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus.

Talkie: Online discussions

18. März, 19 Uhr: Josef Reichholf, Ökologe. Über rechtsnationale Bezüge und andere Denkfehler beim Naturschutz (d)

Die biblische Erbsünde stellt sich heute als Sünde wider die Natur dar: Der Mensch gilt von seiner Geburt an als Belastung für die Umwelt, er stört die natürliche Harmonie. Deshalb müssen wir von »der Natur« getrennt werden.

aus Naturschutz – Krise und Zukunft, Suhrkamp 2010

Treffpunkt auf Jitsi, no registration required.

27. April: Gosie Vervloessem, Künstlerin (Bruxelles). Plant horrors – horror plants (e)

Eine Einbürgerung

Der symbiont als Orangerie, als Heimathafen für sogenannt «invasive», bei uns also unerwünschte Arten. Die Idee einer zu bewahrenden, originären Natur hat allerdings einige braune Flecken – hier darf der Fremdenfeindlichkeit noch bedenkenlos gehuldigt werden, mit Spitzhacke, Glyphosat und kruden Vorstellungen von reproduzierfreudigen Ausländern, die dem einheimischen Kraut den Platz an der Sonne wegnehmen. Nicht umsonst reichen die Verbindungen von Naturschutz und rechtem Denken weit zurück.

Der japanaische Knöterich (Japanese Knotweed, Reynoutria japonica) ist zu so etwas wie der Superbösewicht in diesem Plot. Um 1820, als sich Japan noch von der Aussenwelt abschottete, brachte der Arzt, Ethnograf und Botaniker Philipp Franz von Siebold die Pflanze nach Europa – er wollte die hiesigen Gärten und Parks mit den faszinierenden Pflanzen und Gehölzen Japans bereichern. Ab 1840 begann Seibold den fremden Staudenknöterich kommerziell zu vertreiben. Seither hat er sich in ganz Europa verbreitet und gilt heute als invasiver Neophyt par excellence. Hat sich das Knotweed einmal eingenistet, wird man es nur mit viel Aufwand wieder los – und geographische Grenzen sind ihm natürlich egal. Die Folgen sind wirtschaftlich spürbar So verliert bespielsweise ein mit Knöterich «verseuchtes» Grundstück in Grossbritannien empfindlich an Wert. Ob Neophyten allerdings wie oft behauptet so dominant in Ökosysteme drängen, dass es zur Ausrottung einheimischer Arten kommt, ist in der Fachwelt umstritten.

Der englische Begriff Xenophobia wiederum trifft den Kern des Projekts besser als der deutsche «Fremdenhass» – da steckt ein Unbehagen dem Anderen, Fremden gegenüber tief in uns, das sich nicht so leicht diskursiv aus der Welt schaffen lässt. Beziehungsweise: das immer wieder neu austreibt, auch wenn man die sichtbaren Ableger mit Stumpf und Stiel ausgerissen glaubt. Die Angst vor Veränderung als Rhizom und Nährboden, auf dem immer wieder neue rechte Ideologien wachsen. Natur schützen ja, aber vor was, oder wem und welche Natur meinen wir eigentlich?

Tim Kummer, Roland Fischer
Januar-März 2021